Wir passen uns dem Tagesrhythmus an, den der warme Spätsommer hier noch vorgibt: Nach „Proben am Vormittag“ und Mittagessen folgt erst eine Siesta. Dann, als es draußen etwas kühler wird, geht es zur Basilika im Escorial. Frau Schneider hat ein paar Worte zum Palast zu erzählen, ordnet Philipp II. ein in das, was wir hier sehen, erzählt vom königlichen Erbauer, der um eine riesige Kirche und ein Kloster herum seinen Palast errichten ließ. Mitten in diesem monumentalen, quadratischen Renaissance-Komplex, der aus dem hellem, grauem Granitstein der nahen Sierra de Guadarrama erbaut wurde und heute UNESCO-Weltkulturerbe ist, steht die Basilika, die von außen riesig und hart, fast schmucklos wirkt. Aber sie ist überwältigend in ihrer Größe. Direkt am Altar werden die Mädchen des Konzertchores morgen zur Messe singen. Heute bleibt es beim Staunen und einer ersten Ansingprobe. Direkt am Altar stehen sie im Halbrund und singen Mendelssohns Engelsterzett „Hebe Deine Augen auf“ in die 90 Meter hohe Kuppel hinein – der Nachhall ist gewaltig und wunderschön.
Zu einem kleinen Stadtbummel durch die historische Innenstadt von San Lorenzo de El Escorial machen sich die Mädchen im Anschluss in kleinen Gruppen auf, sehen ein Städtchen, das seit Jahrhunderten mit seinem kühleren Bergklima und seiner sehr ruhige, freundliche Art einlädt. Verlaufen kann sich hier niemand, verlieren in den Charme des Orts schon.
Vor dem Abendessen, das traditionell erst spät und für uns um 21 Uhr bereit steht, findet Herr Gortner noch genügend Zeit für eine weitere Probe. Als dann der Tag zu Ende geht, bläst der Wind kräftig durch die Bäume vor dem Kloster und kündigt das Wetter für morgen an: es wird kühler.