Es hätte ja auch jeder andere Pater heute die Misa in der Basilika halten können – aber es war Pater Pedro. Er ist einer von 20 Augustiner-Mönchen, die hier im „White House von Spanien“, wie er scherzhaft den Escorial nennt, morgens die Messe lesen. Pater Pedro jedenfalls lädt den Konzertchor Mädchen spontan zu einem Besuch in der „Escolanía de El Escorial“ ein, Spaniens berühmtestem Chor-Internat, das gleich neben der Basilika seinen Sitz hat. Als Zehnjähriger kam er selbst hierher und kennt damit Singschule und Konvent der Mönche von Kindesbeinen an. Heute ist er an diesem Ort Pater und Organist, dem Chor-Internat als Knabenchor-Leiter eng verbunden. „Es wäre doch schön, wenn sich die Chöre aus El Escorial und Karlsruhe begegnen“, findet er.
Finden wir auch. Zuvor aber werden wir den Escorial erst einmal ausführlich besichtigen: „San Lorenzo de El Escorial“, wie dieses Gebäude auf einer Grundfläche von 3 Fußballfeldern genau heißt, ist weder reine Kirche noch reines Schloss sondern ein Gebäudekomplex, der sich quadratisch um die Basilika herumlegt. Eine wunderschöne Bibliothek mit Handschriften wie z.B. den Cantigas de Santa Maria (der größten Liedersammlung des Mittelalters) und 55 Tausend weiteren Büchern mit Goldschnitt liegt quer vor der Basilika, der Flügel für Kindergarten und Schulen links, das Klosterflügel rechts neben der Basilika, ein Mausoleum der spanischen König unter der Basilika und die Königsgemächer – winzig im Vergleich zum Rest – seitlich zum Hauptaltar der Basilika. Was für eine architektonische Konzentration auf den katholischen Glauben, gebaut in Granit. Damals wie heute mehr als majestätisch.
Pater Pedro treffen wir auf dem riesigen Platz vor dem Gebäude. Er führt uns in die Escolanía im Konvent. Seit mehr als 400 Jahren wohnen und lernen hier Chorknaben. Als Pater Pedro uns in diesen Teil des Escorials führt, den Besucher*innen normalerweise nicht sehen können, fühlen wir uns ein bisschen wie in Hogwarts: überall Schüler in Schuluniform, breite steinerne Treppen, Deckenmalereien, uralte Wandteppiche. In der Aula der Escolanía singen die Knaben und Männer für ihr Chorgäste aus Karlsruhe Geistliches und spanische Folklore. Was für ein harmonischer, toller Chorklang dieser voces blancas! Auch der Konzertchor Mädchen von Cantus Juvenum singt und bringt eine ganz andere, helle Klangfarbe in diesen Raum. Zum Schluss wird „The Lord bless you and keep you“ von John Rutter gemeinsam gesungen. Die Herzlichkeit, mit der ganz spontan der Konzertchor Mädchen hier in der Escolanía empfangen wird, ist wirklich ganz besonders. Pater Pedro zeigt Kantor Peter (Gortner) noch die Orgeln in der Basilika, die beiden Organisten tauschen sich kurz aus, die Chorjugendlichen tauschen sich kurz aus, und damit geht unser Besuch dieses 1574 von König Philipp II. gegründeten Chor-Internats zu Ende.